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Achtsamkeit

Beim Frühstück stolperte ich über einen Artikel zum Thema „Achtsamkeit“. Dieser Begriff ist mir in letzter Zeit häufiger begegnet, doch heute war ich zum ersten Mal achtsam genug, darüber zu lesen.
Kurz zusammengefasst ging es darum, dass wir alle vor lauter Hetzen, Jagen und Suchen total vergessen, uns am Wesentlichen zu erfreuen.
Dabei brauchen wir weder früher aufzustehen, um den Tag mit einer „super-schnellen-zehn-Minuten-Meditation“ enstpannt zu starten, noch eine fix in die Mittagspause zwischen Stulle und Espresso gelegte „clean-your-mind-Massage“.
Statt dessen soll die Achtsamkeit uns helfen, gewisse Dinge im Alltag anders zu betrachten.
In dem Artikel wurde eine Übung vorgeschlagen: am heutigen Tag, soll ich fünf Dinge achtsam wahrnehmen.
Natürlich vergaß das alles direkt, während ich die Krümel aufsaugte, mein Kind anzog und mich im üblichen Haushaltswahnsinn verlor.
Doch heute Nachmittag erinnerte ich mich. Wie fast jeden Tag ging ich mit meiner kleinen Tochter spazieren. Beim Bäcker kaufte mir vorher eine Baumkuchenschnitte (ich brauchte einfach etwas mit Schokolade – dabei hatte ich eigentlich vor, den November als Detox-Monat zu nutzen … hat übrigens genau bis zum 04. November geklappt).
Als ich meine übliche Route in den Park einschlug, fiel mir die Übung ein. Also hörte ich auf, hektisch zu kauen und konzentrierte mich auf den Geschmack. Das Ergebnis war ein Reinfall, denn mir wurde bewusst, dass das Ding gar nicht so richtig schmeckt und die Kalorien eigentlich nicht wert ist.
Während meine Tochter mit anlachte, guckte ich mir ganz genau ihre Augen an. Ich glaube, jede Mama auf der Welt ist so verliebt in die Augen ihres Kindes, dass sie diese jederzeit bis ins kleinste Detail beschreiben könnte. Daher fand ich, verzückt wie immer, auch hier nichts Neues.
Als Drittes blickte ich in die Bäume. Das mache ich allerdings ständig. Bäume betrachten ist eine typische Eigenschaft von mir. Also konnte ich auch hier nicht wirklich einen Aha-Effekt feststellen.
Vielleicht musste ich auf etwas hören, um die angepriesene Achtsamkeit zu finden. Ein Haus am Parkrand wird renoviert und ich lauschte dem surrenden Geräusch der Bohrmaschine. Daran konnte ich nun wirklich nichts Schönes finden. Es ging mir sogar auf die Nerven.
Während ich weiterlief, bemerkte ich jedoch auf einmal, dass ich langsamer ging als sonst. Normalerweise renne ich meine Spazierrunde nämlich immer ganz schnell ab, damit ich das ganz schnell als Power-Walk verbuche, meine Kleine ganz schnell einschläft, und ich ganz schnell zu Hause etwas von meiner nie enden wollenden To-do-Liste abarbeiten kann.
Und auf einmal sah ich diese Steine.
„Und was ist daran jetzt so besonders?“, fragt Ihr Euch sicherlich.
Das besondere an den Dingern ist, dass ich sie mir noch nie angesehen habe. Ich wohne fast mein ganzes Leben an diesem Park, muss also locker tausend Mal dort gewesen sein. Würde mich heute jemand fragen, wann diese Steine aufgestellt wurden, könnte ich das nicht beantworten. Hätte mich gestern jemand gefragt, wie diese Steine aussehen, hätte ich auch das nicht sagen können.
Natürlich wusste ich, dass dort Steine stehen, aber erst seit heute weiß ich, dass sie Gesichter haben.
Kennt Ihr so etwas auch?

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